Kostenlos
Trading-Wiki
kostenlosohne KontoEin Nachschlagewerk zu Futures, Order Flow und den Begriffen, die in der Trading Station auftauchen. Zwölf Kapitel, kostenlos und ohne Konto. Keine Anlageberatung — der Text erklärt, was die Zahlen sind und woran ihre Deutung scheitert.
Futures — was gehandelt wird
Ein Future ist ein Vertrag über die Lieferung einer festgelegten Menge zu einem festgelegten Termin. Standardisiert ist alles außer dem Preis: Menge, Qualität, Liefermonat, kleinste Preisstufe. Abgeschlossen wird an einer Börse, und Gegenpartei ist danach das Clearinghaus.
Gehandelt wird der Vertrag, nicht der Basiswert — der Index, Rohstoff oder Devisenkurs, auf den er sich bezieht. Wer NQ kauft, bekommt keinen Aktienkorb. Die meisten Positionen werden vor Fälligkeit geschlossen, und Aktienindex-Futures werden bar ausgeglichen statt geliefert.
Kontraktgröße, Punkt, Tick
Die Kontraktgröße sagt, wie viel Basiswert in einem Vertrag steckt: 1.000 Barrel bei CL, 100 Unzen bei GC, bei einem Index ein fester Betrag je Indexpunkt. Daraus folgt der Punktwert, also was ein ganzer Preispunkt je Kontrakt in Geld wert ist. Der Tick ist die kleinste Preisänderung, die die Börse zulässt. Der Tickwert ist Tick mal Punktwert.
| Kontrakt | Tick | Punktwert | Tickwert |
|---|---|---|---|
| NQ — E-mini Nasdaq-100 | 0,25 | 20 $ | 5 $ |
| ES — E-mini S&P 500 | 0,25 | 50 $ | 12,50 $ |
| MNQ — Micro Nasdaq-100 | 0,25 | 2 $ | 0,50 $ |
| MES — Micro S&P 500 | 0,25 | 5 $ | 1,25 $ |
| GC — Gold | 0,10 | 100 $ | 10 $ |
| CL — Crude Oil WTI | 0,01 | 1.000 $ | 10 $ |
| FDAX — DAX | 0,5 | 25 € | 12,50 € |
Punkt und Tick zu verwechseln ist der häufigste Rechenfehler am Anfang; bei NQ und ES liegt zwischen beiden der Faktor vier. Die Trading Station rechnet jeden Geldbetrag aus dem Punktwert. Eine falsche Zahl verfehlt dort jede Gewinn- und Verlustrechnung um denselben Faktor. Deshalb rechnet ein Test die Tabelle oben nach: Tick mal Punktwert muss den Tickwert ergeben, und die englische Fassung muss dieselben Zahlen nennen.
Verfall und Rollen
Jeder Kontrakt trägt einen Kontraktmonat; NQ 09-26 ist der September-2026-Kontrakt. Aktienindizes
und Devisen laufen im Quartalszyklus März, Juni, September, Dezember. Gold löst die Station in
Februar, April, Juni, August und Dezember auf, Rohöl monatlich.
Stichtag der Aktienindex-Quartale ist der dritte Freitag des Kontraktmonats, nicht dessen Anfang; wer die Monatsmarke dafür hält, rollt drei Wochen zu früh. Der Handel wandert vorher in den nächsten Kontrakt, der Rollkalender der Station acht Tage davor. Metalle und Energie verfallen vor ihrem Kontraktmonat und folgen einer eigenen Regel.
Beim Wechsel springt der Chart, und das ist kein Fehler. Zwei Kontrakte auf denselben Basiswert handeln in derselben Sekunde zu unterschiedlichen Preisen. Der Abstand ist der Preis des Haltens bis zum jeweiligen Verfall: Finanzierung, bei Rohstoffen Lagerung, bei Indizes erwartete Ausschüttungen. Wie groß er ausfällt, hängt vom Markt ab.
Hängt man beide Reihen aneinander, steht an der Naht eine Lücke. Rechnet man die ältere Reihe zurück, verschwindet die Naht, und keine ältere Bar zeigt mehr einen gehandelten Preis. Die Station folgt dem Frontmonat und rechnet nichts zurück.
Margin und Hebel
Margin ist eine Sicherheitsleistung, kein Kaufpreis. Die Initial Margin muss beim Einstieg da sein, die Maintenance Margin dauerhaft; fällt das Konto darunter, fordert der Broker nach oder stellt glatt. Für Positionen, die am selben Tag geschlossen werden, kann ein Broker weniger verlangen. Das ändert die Hinterlegung, nicht das Risiko.
Margin ist auch keine Verlustobergrenze. Der Wert eines Kontrakts ist Preis mal Punktwert und liegt um ein Vielfaches über der geforderten Sicherheit. Darin steckt der Hebel, und er wirkt in beide Richtungen: ein Punkt NQ sind 20 $ je Kontrakt, unabhängig davon, was hinterlegt wurde. Ein Verlust kann die Einlage übersteigen.
Die Positionsgröße folgt deshalb aus dem Abstand zum Stop und dem Betrag, den ein Fehler kosten darf, nicht aus der freien Margin. Die Station rechnet Gewinn und Verlust aus dem Punktwert; eine Margin-Anforderung kennt sie nicht, die steht beim Broker.
E-Mini und Micro
Zu den großen Kontrakten gibt es kleinere auf denselben Basiswert und denselben Kontraktmonat. Bei den Aktienindizes ist der Micro ein Zehntel des Mini bei gleicher Tickgröße: NQ 20 $ gegen MNQ 2 $, ES 50 $ gegen MES 5 $. Das gilt nicht überall — Micro Silver ist ein Fünftel von SI, Micro Euro FX hat einen gröberen Tick als 6E.
Für den Anfang zählt das, weil die kleinste mögliche Position kleiner wird. Zehn Punkte gegen die Position kosten in MNQ 20 $ statt 200 $. Zehn Micros sind allerdings ein Mini: kleiner wird die Stufe, nicht der Hebel. Getrennt sind auch die Bücher — im Micro liegt weniger darin, und die DOM-Leiter zeigt das Buch des abonnierten Kontrakts.
Warum Futures für Orderflow taugen
Footprint, Delta, Volume Profile und Speed of Tape zählen: wie viel auf welchem Preislevel gegen
welche Seite ausgeführt wurde. Eine Zählung braucht einen vollständigen Nenner. Bei einem Future
gibt es je Kontrakt ein Orderbuch, und jeder Handel in NQ 09-26 läuft über dieselbe
Matching-Engine derselben Börse.
| Markt | Buch | Was eine Volumenzahl bedeutet |
|---|---|---|
| Futures | ein zentrales Buch je Kontrakt | Umsatz des Kontrakts |
| Aktien | viele Handelsplätze, dazu außerbörslich | ein Teil davon, oder eine verzögerte Zusammenführung |
| Devisen (Spot) | keine zentrale Börse | Umsatz einer Bank oder Plattform |
| Krypto | je Börse ein Buch, viele Börsen | Umsatz dieser einen Börse |
Drei Grenzen bleiben. Die DOM zeigt, was gemeldet wird — eine Momentaufnahme des vom Feed gelieferten Buchs, nicht das, was dahinter liegt. In der Rollwoche teilt sich das Volumen auf zwei Kontrakte, das Profil des Frontmonats ist dann dünner als der Handel insgesamt. Und ein vollständiger Nenner macht aus einer Zählung keine Aussage über den nächsten Kurs. Er sagt, was war.
Handel mit Futures birgt das Risiko des Totalverlusts. Nichts hier ist eine Anlageberatung oder eine Empfehlung, einen Kontrakt zu kaufen oder zu verkaufen.
Der Markt ist eine Auktion
Ein Markt hat nicht einen Preis. Er hat zwei, und sie stehen gleichzeitig nebeneinander.
Bid ist der höchste Preis, zu dem gerade jemand kaufen will. Ask ist der niedrigste Preis, zu dem gerade jemand verkaufen will. Der Spread ist der Abstand zwischen beiden. Die Markttiefe ist die Menge, die auf diesen beiden Preisen und auf den Preisen dahinter ruht; die Station zeigt sie als DOM-Leiter in der rechten Panelspalte, ab Werk fünfzehn Level je Seite.
Was im Buch steht, ist keine Zusage. Eine ruhende Order lässt sich zurückziehen, bevor jemand sie nimmt, und die DOM zeigt nur, was der Feed meldet.
Zwei Wege, eine Order zu geben
| Limit-Order | Market-Order | |
|---|---|---|
| Was sie tut | stellt sich ins Buch und wartet | nimmt, was im Buch liegt |
| Preis | legt sie selbst fest | ergibt sich aus dem Buch |
| Ausführung | ungewiss | sofort, zu den Preisen, die das Buch hergibt |
| Zum Spread | bildet ihn | überquert ihn |
Die ruhenden Kauf-Limits auf dem höchsten gebotenen Preis sind das Bid. Wer wartet, stellt Liquidität bereit. Wer nimmt, verbraucht sie.
Limit gleich passiv ist trotzdem zu grob. Eine Kauf-Limit-Order auf oder über dem Ask wird sofort ausgeführt und ist dann der nehmende Teil. Entscheidend ist nicht die Orderart, sondern wer den Spread überquert.
Der Aggressor
Ein Handel kommt zustande, wenn eine Seite den Spread überquert. Diese Seite heißt Aggressor.
Wurde am Ask ausgeführt, war der Käufer der Aggressor. Wurde am Bid ausgeführt, war es der Verkäufer. Die Station trägt diese Seite je Print in Time & Sales ein. Der Footprint sortiert danach die Kontrakte je Preislevel in eine Bid- und eine Ask-Spalte, und Delta ist die Differenz aus Ask- und Bid-Volumen.
Woran die Zuordnung scheitert: Live kommt zu jedem Print die stehende Quote mit, dann ist die Seite bestimmt. Für historische Ticks speichert NinjaTrader keine Quote. Dort wird die Seite über die Tick-Rule nach Lee-Ready rekonstruiert — Uptick zählt als Ask, Downtick als Bid, ein unveränderter Preis übernimmt die letzte Einstufung. Der dritte Fall ist eine Fortschreibung, keine Messung. Bars, die aus Minuten-Bars gefüllt wurden, tragen gar keinen Orderflow; die Station zeichnet sie gedämpft. An einem CFD- oder FX-Konto über MetaTrader 5 gibt es kein Tape; Prints tragen dort keine Seite.
„Mehr Käufer als Verkäufer“ gibt es nicht
Zu jedem Handel gehören ein Käufer und ein Verkäufer, über dieselbe Menge, zum selben Preis. Gekaufte und verkaufte Kontrakte sind immer gleich viele. Ein Überhang an Käufern ist rechnerisch unmöglich, egal wie weit der Markt steigt.
Gemeint ist immer die Aggression: nicht, wie viele kaufen wollten, sondern wie viele bereit waren, dafür den schlechteren der beiden Preise zu nehmen. Genau das zählt Delta.
Auch Aggression ist keine Richtungsaussage. Aggressives Kaufen kann auf einen ruhenden Verkäufer treffen, der die Menge aufnimmt, ohne dass der Preis sich bewegt: Delta steigt, der Kurs steht. Diese Konstellation heißt Absorption.
Woran ihre Deutung scheitert: Dass aufgenommen wurde, steht in den Daten. Warum, steht nicht darin. Dieselbe Zahlenlage entsteht, wenn eine große Order zufällig dort lag und danach verschwindet. Ein hohes Delta bleibt eine Beobachtung über die Vergangenheit, keine Aussage über das, was folgt.
Was der Preis eigentlich ist
Der letzte Preis ist der Ort, an dem zuletzt jemand bereit war zu handeln. Er ist kein Wert, keine Meinung und keine Zusage für den nächsten Kontrakt. Zwischen zwei Abschlüssen gibt es gar keinen Preis, sondern nur Bid und Ask.
Daraus folgt ein Problem für jede Auswertung. Der letzte Preis liegt immer auf einer der beiden Seiten und springt zwischen Bid und Ask hin und her, ohne dass sich an der Lage etwas geändert hätte. Dieser Bid-Ask-Bounce sieht aus wie eine Rückkehrbewegung; wer sie auf dem letzten Handelspreis misst, misst zuerst den Sprung. WTS Analytics rechnet deshalb auf dem Mittelkurs.
Warum darauf alles Weitere aufsetzt
Footprint, Delta, CVD, Imbalance und Absorption sind Buchführung über dieselbe Auktion. Alle hängen an einer einzigen Angabe: der Seite des Aggressors. Die diagonale Imbalance etwa vergleicht eine Bid-Zelle mit der diagonal versetzten Ask-Zelle, beide Zahlen aus derselben Zuordnung. Ist sie falsch, ist alles darüber falsch, und zwar leise, weil das Ergebnis plausibel aussieht.
Das Volume Profile ist die Ausnahme: Für POC und Value Area reichen Preis und Menge, die Seite braucht es erst in den Typen Ask/Bid und Delta.
Deshalb ist gekennzeichnet, woher die Seite kommt: Bars ohne Orderflow sind gedämpft gezeichnet und im Tooltip als nur OHLCV markiert, und WTS Analytics schreibt über jede Auswertung, wie viele Handel unklar blieben. Ohne diese Angabe lässt sich nicht beurteilen, ob das Gezeichnete überhaupt gemessen wurde.
Und was die Auktion nicht liefert: eine Aussage darüber, was als Nächstes geschieht. Sie zeigt, wer bis eben bereit war zu zahlen. Wer im nächsten Moment bereit ist, steht in keinem Buch.
Das Orderbuch und die Markttiefe
Das Orderbuch ist die Liste der Aufträge, die im Markt liegen und noch nicht ausgeführt sind. Die Station zeigt es als DOM-Leiter (Level 2) in der rechten Panelspalte: Preisebenen untereinander, je Ebene die Bid- und die Ask-Größe, der letzte Preis markiert, jede Ebene hinterlegt mit dem Session-Profil dieses Preises. Ab Werk sind fünfzehn Ebenen je Seite sichtbar.
Ein Satz vorweg, weil alles Weitere daran hängt: was dort steht, sind Absichten. Kein Eintrag im Buch ist ein Geschäft. Er wird eines, wenn jemand ihn nimmt, und erst dann erscheint er in Time & Sales.
| Orderbuch (DOM) | Time & Sales | |
|---|---|---|
| Zeigt | Aufträge, die warten | Geschäfte, die stattfanden |
| Zeitform | Zustand jetzt | Vergangenheit |
| Widerrufbar | jederzeit, kostenlos | nein |
| Aussage | was jemand täte | was jemand tat |
Liquidität
Liquidität ist die Menge, die sich handeln lässt, ohne dass der Preis weit läuft. Im Buch steht davon nur ein Teil: die ruhenden Limit-Aufträge, je Ebene als Größe. Das Heatmap-Fenster zeichnet dieselben Größen über die Zeit, sodass sichtbar wird, wie lange etwas an einem Preis lag; Bestände kann die Station zusätzlich über Bookmap beziehen.
Liquidität ist keine Eigenschaft des Preises, sondern des Augenblicks. Sie ist da, solange sie stehen bleibt.
Was im Buch nicht steht
Marktaufträge stehen nie darin. Sie kommen an und nehmen, was da ist. Die Nachfrage, die einen Preis bewegt, ist damit gerade die, die vorher nicht zu sehen war. Stop-Aufträge ebenfalls nicht: Sie warten als Auslöser und werden erst beim Auslösen zu Marktaufträgen. Ein Bereich kann dünn aussehen und trotzdem viel Ausführung tragen.
Der Feed liefert außerdem nur die gemeldete Tiefe. Was hinter der letzten gezeigten Ebene liegt, steht nirgends.
Drei Begriffe
| Begriff | Was passiert | Was es heißen kann | Woran die Deutung scheitert |
|---|---|---|---|
| Iceberg-Order | Sichtbar ist nur ein Bruchteil der Menge. Wird er genommen, steht sofort wieder Größe da. | Jemand will viel handeln, ohne es zu zeigen. | Die Börse meldet das nicht. Die Station erschließt es aus dem Print-Strom: viele kleine Ausführungen derselben Seite auf einer Preisstufe in kurzer Zeit. Mehrere unabhängige kleine Teilnehmer sehen genauso aus. |
| Stacking | Mehrere Ebenen einer Seite werden mit Größe belegt. | Bereitschaft, in der Tiefe zu handeln. | Dasselbe Bild entsteht, wenn jemand nur ein Bild erzeugen will. Stornieren kostet nichts. |
| Pulling | Die Größe verschwindet, bevor der Preis sie erreicht. | Die Absicht hing an Bedingungen, die nicht mehr gelten. | Ob storniert oder ausgeführt wurde, sagt das Buch nicht. Nur der Abgleich mit dem Band trennt beides. |
Die Station etikettiert auffällige Ausführungen als Stop Run, Initiative oder Absorption und markiert zwei Muster gesondert: den Sweep über aufeinanderfolgende Preisstufen und den Iceberg als Merkmal obendrauf. Das ist eine Lesart des Print-Stroms, keine Meldung der Börse. Sie kann danebenliegen.
Warum ein großes Gebot kein Boden ist
Zwanzig Ticks unter dem Markt trägt eine Ebene eine auffällig große Bid-Größe. Der naheliegende Gedanke: dort hält jemand den Preis.
Ein Auftrag im Buch ist bis zur Ausführung widerrufbar. Stornieren kostet nichts und geht schneller, als ein Mensch hinsehen kann. Die große Größe sagt deshalb nur eines: jemand stünde dort, wenn der Preis jetzt dort wäre. Er ist es nicht.
Zwei Auflösungen sind möglich, unterscheidbar erst hinterher. Entweder wird die Größe genommen, dann steht sie als Volumen im Band und als Zelle im Footprint. Oder sie ist weg, bevor der Preis ankommt, und er fällt durch eine Ebene, die eben noch belegt aussah.
Ein Preis mit viel Größe ist ein Ort, an dem etwas passieren kann. Was passiert, entscheidet sich im Band.
Speed of Tape: was das Band zeigt
Speed of Tape (Instant) misst den Volumenfluss der letzten Sekunden. Ab Werk sind es drei Fenster zu je zehn Sekunden nebeneinander, eingefärbt nach Delta-Richtung, mit Vol/s und Trades/s. Nebeneinander gestellt zeigen sie, ob der Fluss zunimmt oder abreißt und auf welcher Seite er entsteht. Gemessen wird gegen den jüngsten Print, nicht gegen die Rechneruhr.
Das ist die Größe, die dem Orderbuch fehlt: Tempo. Das Buch ist ein Zustand und kennt kein Vorher. Das Band ist ein Verlauf und trägt zu jedem Print die Aggressor-Seite: wer genommen hat, nicht wer angeboten hätte.
Live steht diese Seite fest, weil zu jedem Print die geltende Quote mitkommt. In der Historie fehlt die Quote; die Seite wird über die Tick-Rule rekonstruiert, eine gute, aber keine perfekte Nachbildung. Eine Deutung, die auf der Aggressor-Seite alter Prints ruht, ruht zum Teil auf einer Schätzung.
Die Reihenfolge
Das DOM allein trägt keine Entscheidung. Es ist die Gegenprobe zu dem, was schon gehandelt wurde.
Die Reihenfolge geht deshalb vom Ausgeführten zum Angebotenen. Eine Beobachtung entsteht im Band, im Footprint, im Delta oder am Profil, danach die Frage, ob das Buch dazu passt. Ein Buch, das eine Beobachtung stützt, macht sie nicht sicher. Ein Buch, das ihr widerspricht, macht sie fragwürdig. Andersherum stützt man sich auf Angaben, die widerrufen werden, während man sie liest.
Die Station behandelt das Buch selbst so: Im Forecast ist die Buch-Imbalance eine Stimme unter neun, und sie zählt nur mit echtem Level 2 mit.
Nichts davon ist Anlageberatung. Handel mit Futures birgt das Risiko des Totalverlusts.
Order Flow: Delta und kumuliertes Delta
Jeder Handel hat zwei Seiten: eine lag im Buch, die andere griff zu. Delta zählt nur die zugreifende Seite: am Ask gehandeltes Volumen minus am Bid gehandeltem. +240 heißt: 240 Kontrakte mehr aus dem Buch genommen als hinein verkauft.
Was es misst und was nicht
Delta misst Aggression. Nicht den Umsatz, nicht das Interesse, nicht die Richtung.
| Delta sagt etwas über | Delta sagt nichts über |
|---|---|
| welche Seite den Spread zahlte | wie viel insgesamt gehandelt wurde |
| ob die Zugriffe klein oder groß waren | wer hinter einer Order steht |
| wie weit die Aggression in der Bar lief | wohin der Preis als Nächstes geht |
Hier kippt die Deutung oft. Wer geduldig im Buch liegt und bedient wird, erscheint im Delta mit umgekehrtem Vorzeichen. Ein großer Käufer am Bid erzeugt negatives Delta. Delta ist kein Kaufdruck-Messer. Es ist ein Ungeduld-Messer.
240 bei 300 Kontrakten ist etwas anderes als 240 bei 12.000. Das Stats-Panel führt deshalb
Bezugsgrößen: Delta % ist Delta durch Gesamtvolumen der Bar, Delta Effort Delta durch die
Spanne der Bar in Ticks. Max/Min Delta zeigt den Weg des Delta innerhalb der Bar, Multi-Range
teilt es nach Ordergröße auf. Wer hinter einer Order steht, steht in keiner dieser Zahlen.
Die Kurve statt des Einzelwerts
Ein Bar-Delta allein ist verrauscht. Das kumulierte Delta summiert die Bar-Deltas fortlaufend
auf: in der Station als CVD in eigener Pane und als Zeile Delta Dly im Stats-Panel. Es beginnt am
Session-Wechsel neu und ist damit ein Tageswert. Abzulesen ist nicht der Stand der Linie, sondern
ihre Steigung im Verhältnis zum Preisverlauf.
Vier Lagen
Gleichlauf. Preis und CVD laufen in dieselbe Richtung. Das kann heißen, dass Marktorders die Bewegung tragen. Dagegen spricht die Mechanik: Ein Preis bewegt sich, indem Liquidität aus dem Buch genommen wird. Der Gleichlauf ist weitgehend eingebaut und für sich genommen keine Beobachtung.
Divergenz. Der Preis setzt ein neues Hoch, der CVD nicht. Das kann heißen, dass der zweite Vorstoß weniger Aggression trug als der erste. Dagegen spricht die Häufigkeit: Der Strategie-Motor CVD Divergence kam über 18 Handelstage auf 68 Signale je Tag. Erst eine Mindestgröße und eine längere Sperre drücken das im Modellversuch auf gut sieben. Der Motor blieb unverändert, das Signal ist ab Werk aus. Mit einem anderen Pivot-Paar sieht dieselbe Stelle anders aus.
Aufnahme. Das Delta läuft, der Kurs steht. Das kann heißen, dass auf der Gegenseite Größe im Buch liegt, die alles nimmt. Ein großer Print heißt Absorption, wenn er den Preis gegenüber dem vorigen Print um höchstens zwei Ticks bewegt hat und das Delta der laufenden Minute dagegen steht. Zwei Pivots auf demselben Preis derselben Sitzung heißen Doppel-Tap; steht der CVD dabei still, meldet die Station Aufnahme. Dagegen spricht, dass „der Kurs steht“ eine Toleranz ist und kein Zustand. Zwei Ticks sind auf NQ etwas anderes als auf GC. Ein stehender Kurs kann auch nur heißen, dass wenig gehandelt wurde.
Erschöpfung. Das Delta ist da, wird aber nicht mehr in Preis übersetzt. Nicht gegen sichtbare Größe wie bei der Aufnahme, sondern weil die Bewegung ausläuft. Dagegen spricht, dass beide Lagen im Delta gleich aussehen. Ein Etikett dafür hat die Station nicht, wohl aber die COT-Zeilen im Stats-Panel: das Delta, das gehandelt wurde, nachdem die Bar ihr Hoch oder ihr Tief gesetzt hat. Viel Kaufaggression nach dem Hoch hat oberhalb des Hochs nichts gekauft. Das ist eine Messung. Die Deutung bleibt eine Deutung.
Initiative und Antwort
Dieselbe Unterscheidung, je Print. Initiative heißt: Der Preis lief mit dem Aggressor mit, ab Werk mindestens drei Ticks weit, und das Delta der laufenden Minute zeigt in dieselbe Richtung. Absorption ist der Gegenfall. Beide kommen aus einer Kaskade je großem Print: Stop Run am Session-Extrem, nur mit Volumen-Ausschlag, dann Initiative, dann Stop Run nahe dem Extrem, dann Absorption. Sonst bleibt der Print ohne Etikett. Ohne den Vorrang der Initiative gälte jeder schnelle Lauf nahe dem Hoch als Stop Run. Ein Etikett sagt also auch, welche Regel zuerst griff.
Woraus das Delta gerechnet wird
Delta ist keine gemeldete Größe. Es entsteht aus der Zuordnung jedes Handels zu Bid oder Ask. Live liefert NinjaTrader zu jedem Print die stehende Quote mit, der Aggressor ist damit bestimmt. Für historische Ticks gibt es keine gespeicherte Quote. Dort rekonstruiert die Tick-Rule: Uptick gilt als Ask, Downtick als Bid, unverändert wie zuvor. Eine gute, aber keine perfekte Nachbildung. Reicht die Tick-Historie nicht, füllen 1-Minuten-Bars den Rest; die tragen kein Delta. Auf einem CFD- oder FX-Konto über MetaTrader gibt es kein Börsen-Tape: Prints kommen aus Bid und Ask, die Seite bleibt unbekannt, Delta und CVD sind eine Näherung.
Ein Delta, dessen Seiten geraten wurden, ist keine Messung. Welche Quelle was liefert, steht im Kapitel zu den Grenzen. Keine der vier Lagen ist eine Handelsregel.
Der Footprint
Was eine Zelle ist
Eine Bar nennt vier Zahlen: Eröffnung, Hoch, Tief, Schluss. Wie sich das Volumen zwischen Hoch und Tief verteilt hat, sagt sie nicht. Der Footprint zerlegt dieselbe Bar in ihre Preislevel und schreibt in jede Zeile, wie viele Kontrakte dort ausgeführt wurden.
Getrennt wird nach der Seite, die zugegriffen hat. Volumen am Bid heißt: ein Verkäufer nahm einen stehenden Kaufauftrag. Volumen am Ask heißt: ein Käufer nahm einen stehenden Verkaufsauftrag. Beide Zahlen nebeneinander in einer Zeile sind eine Zelle. Die Station nennt das den Print-Typ Ask/Bid Split; die anderen drei fassen die Zeile zusammen: Volumen zur Summe, Delta zur Differenz, Delta + Volumen zu beidem.
Was nicht in der Zelle steht: wer gehandelt hat, warum, und wer auf der passiven Seite lag.
Eine Zelle lesen
Zahlen erfunden, Größenordnung realistisch. Eine V500-Bar im NQ schließt nach 500 Kontrakten; diese hat über vier Preislevel gehandelt.
| Preislevel | Bid | Ask | Zeile gesamt |
|---|---|---|---|
| 20.148,75 | 18 | 104 | 122 |
| 20.148,50 | 30 | 118 | 148 |
| 20.148,25 | 40 | 55 | 95 |
| 20.148,00 | 96 | 39 | 135 |
Ablesbar ist dreierlei. Die stärkste Zeile ist 20.148,50 mit 148 Kontrakten; die Station rahmt sie gelb als Bar-POC. Das Delta ist 316 minus 184, also 132 zugunsten der Ask-Seite. Und die Verteilung ist schief, unten überwiegt das Bid, oben das Ask.
Das ist eine Beschreibung, keine Prognose. Dieselbe Verteilung entsteht in einer Aufwärtsbewegung, die weiterläuft, und in einer Absorption, in der oben ein größerer Verkäufer aufnimmt. Der Footprint kennt nur die aggressive Seite und zeigt beide Male dasselbe. Welcher Fall vorlag, zeigt frühestens die nächste Bar.
Imbalance
Verglichen wird diagonal: das Ask einer Zeile gegen das Bid der Zeile darunter, das Bid einer Zeile gegen das Ask der Zeile darüber.
Der Grund liegt im Orderbuch. Ist der Markt einen Tick breit, steht der Kaufauftrag auf einem Preis, der Verkaufsauftrag einen Tick darüber. Wer zum Ask kauft, nimmt den oberen; wer zum Bid verkauft, den unteren. Diese beiden Aufträge lagen gleichzeitig im Buch. Bid und Ask derselben Zeile nie: das war zweimal derselbe Preis zu zwei verschiedenen Momenten. Ein waagerechter Vergleich stellt zwei Zahlen gegenüber, die nie gegeneinander standen.
Im Beispiel ergeben 104 am Ask auf 20.148,75 gegen 30 am Bid auf 20.148,50 das Verhältnis 3,47. Die Voreinstellung ist 3,0, im Dialog als 300 Prozent geschrieben; die Zelle bekommt eine Marke. Eine Zeile tiefer stehen 118 gegen 40, das sind 2,95, dort bleibt es leer. Dazu eine Mindestdifferenz von 10 Kontrakten, damit aus 3 gegen 1 keine Meldung wird.
Der Imbalance-Rahmen sagt das und nichts darüber hinaus: hier traf Aggression auf wenig Volumen am direkt gegenüberliegenden Auftrag. Er sitzt auf der Seite, auf der es passierte, linke Zellkante Bid, rechte Ask.
Woran die Deutung scheitert:
- Die Begründung setzt einen Markt von einem Tick Breite voraus. Bei breiterem Spread liegen die verglichenen Zeilen nicht mehr unmittelbar gegeneinander.
- Die Zeilen sind ab Werk gruppiert, damit sie lesbar bleiben. Der diagonale Nachbar ist dann die nächste gehandelte Zelle, nicht der nächste Tick; dieselbe Bar trägt bei anderem Zoom andere Marken. Der Volltick-Modus schaltet das Gruppieren ab.
- Marken erscheinen nicht in jedem Print-Typ. Im Ask/Bid Split sind sie da, in Delta und Delta + Volumen nicht.
- In der Historie fehlt zu alten Prints die stehende Quote. Die Seite ist dort über die Tick-Rule rekonstruiert, nicht gemessen.
- Mehrere Imbalances übereinander heißen, dass sich das Verhältnis über mehrere Zeilen wiederholt hat. Eine Richtung folgt daraus nicht.
Drei Formen, die wiederkehren
P-Form. Das Volumen sammelt sich im oberen Teil der Bar, der untere bleibt dünn. Beobachtung: der Markt ist durch die untere Hälfte gelaufen und hat oben gehandelt. Was die Form nicht sagt: ob dort aufgebaut oder abgegeben wurde. Beides sieht gleich aus.
b-Form. Das Spiegelbild, dick unten und dünn oben. Dieselbe Einschränkung, seitenverkehrt.
Unfinished business am Rand. In der äußersten Zelle steht auf beiden Seiten Volumen, die Auktion wurde dort abgebrochen statt ausgelaufen. Ein ausgelaufenes Extrem sieht anders aus: am Hoch geht die Bid-Seite auf null, am Tief die Ask-Seite, weil zu diesem Preis niemand mehr auf der Gegenseite zugriff. Die Station markiert Single Prints; für unfinished business gibt es keine eigene Marke, es wird an den Zellen des Extrems abgelesen.
Alle drei sind Beobachtungen an einer abgeschlossenen Bar, keine Regeln. P und b stammen aus dem Profil einer ganzen Session; auf einer einzelnen Bar beruhen sie auf viel weniger Handel. Bei grober Gruppierung verschwindet die Null am Extrem, weil eine Zeile mehrere Ticks zusammenfasst. Bars aus Minuten-Bars tragen gar keinen Footprint.
Ort und Anlass
In dieser Methodik haben beide Werkzeuge getrennte Aufgaben.
| Frage | Volume Profile | Footprint |
|---|---|---|
| Zeitraum | Session, mehrere Tage, sichtbarer Ausschnitt | eine Bar |
| Liefert | den Ort: POC, VAH, VAL, Volumenknoten | den Anlass: was dort gerade geschieht |
| Ändert sich | langsam | mit jedem Print |
Der Footprint allein findet überall im Chart irgendeine auffällige Zelle. Das Profil allein liefert Linien, an denen nichts passiert. Zusammen lässt sich genauer sagen, was an einem Preis geschieht, den der Markt über Stunden angenommen oder verworfen hat. Das Composite-Profil reicht dabei nur so weit zurück wie die Tick-Historie, ab Werk drei Tage.
Auch das bleibt Rückblick. Was in den Zellen steht, ist geschehen; ob es sich fortsetzt, steht nicht darin.
Volumen über den Preis
Ein Chart zeigt Volumen als Balken unter der Kerze: wie viel in dieser Minute gehandelt wurde. Das Volumenprofil dreht die Achse. Es fragt nicht wann, sondern wo: wie viele Kontrakte wechselten auf jedem Preislevel den Besitzer. Eine Zeile je Preis, ihre Länge das Volumen dort.
Das Werkzeug heißt Volume Profile. Vier Typen bestimmen, was die Länge einer Zeile misst: Volume, Ask/Bid, Delta und Delta + Volumen. Fünf Perioden bestimmen den Zeitraum: Latest für die laufende Session, Multiple je Session, Composite über mehrere Tage, Visible für den sichtbaren Ausschnitt und Vortag.
Ein Profil braucht Orderflow. Wo Minuten-Bars die Lücke in der Tick-Historie füllen, gibt es keine Zeilen. Kein dünnes Profil, sondern gar keines.
POC
Die längste Zeile ist der POC, der Point of Control: der Preis mit dem meisten Volumen im betrachteten Zeitraum. Gezählt werden Kontrakte, nicht Abschlüsse.
Was er nicht ist: kein Durchschnitt, kein fairer Preis, kein Ziel. Er beschreibt Vergangenes und wandert, solange die Session läuft.
Value Area, VAH und VAL
Vom POC aus wächst ein Band, bis es einen festgelegten Anteil des Volumens einschließt. Voreingestellt sind 70 Prozent (value_area_pct). Die obere Kante heißt VAH, die untere VAL, das Band dazwischen ist die Value Area.
Das Band wächst nicht symmetrisch. Die Rechnung vergleicht die zwei Zeilen über der Oberkante mit den zwei unter der Unterkante und nimmt die schwerere Seite. Die Value Area liegt deshalb selten mittig um den POC.
Die 70 sind eine Konvention, kein Naturgesetz; der Wert ist einstellbar, und mit ihm wandern beide Kanten. POC, VAH und VAL kommen immer aus dem Volumen, auch wenn die Zeilen gerade Delta anzeigen.
| Begriff | Was er misst | Was er nicht sagt |
|---|---|---|
| POC | Preis mit dem größten Volumen | dass der Preis dorthin zurückkommt |
| VAH / VAL | Kanten des eingestellten Volumenanteils | dass dort gedreht wird |
| Value Area | Bereich mit diesem Anteil | wo der Preis hingehört |
Hoch- und Tiefvolumen-Bereiche
Ein Profil hat dicke und dünne Stellen. Die Station nennt sie High Volume Node und Low Volume Node, ab Werk aus. Eingeschaltet färben sie einzelne Zeilen nach festen Schwellen: ein HVN ist ein lokales Maximum über plus/minus zwei Zeilen mit mindestens 55 Prozent der größten Zeile, ein LVN ein lokales Minimum mit höchstens 8 Prozent.
Das heißt: hier wurde viel gehandelt, dort wenig. Die verbreitete Erwartung, der Preis laufe durch dünne Bereiche schnell hindurch und bleibe in dicken hängen, ist bereits eine Deutung. Sie scheitert, sobald sich der Grund für den Handel ändert: nach einer Nachricht beschreibt das Profil von gestern einen anderen Markt.
Das Vortagsprofil
Das Profil des Vortags lässt sich über den laufenden Tag legen, mit seinem POC und seinen beiden Kanten. Die übliche Begründung lautet, viele Marktteilnehmer hätten dieselben Kanten vor sich. Aus den Daten der Station belegen lässt sich das nicht: sie misst Prints, keine Absichten.
Ein Profil ist nur so gut wie seine Historie. Reichte die Tick-Historie in einer früheren Fassung nicht bis zum Sitzungsbeginn, rechnete die Station aus einem Bruchstück und zog POC, VAH und VAL falsch über den Chart. Heute meldet der Server mit, welchen Zeitraum die Daten abdecken; Composite reicht nur so weit wie das Backfill-Fenster, ab Werk drei Tage.
Zonen, die während des Tages entstehen
Nicht jeder Abschnitt deckt sich mit einer Session. Dynamic Zones ziehen ein Profil über einen selbst gewählten Bereich, mit Delta links, Volumen rechts und eigener Value Area. Sie beschreibt nur den gewählten Abschnitt.
VWAP
Der VWAP ist der volumengewichtete Durchschnittspreis: Preis mal Menge aufsummiert, geteilt durch die Menge. Kein Mittel aus Schlusskursen, sondern ein Schwerpunkt.
Er ist zuerst ein Maßstab für Ausführung. Wer eine große Order über den Tag verteilt, stellt seine Fills dagegen. Er bewertet, er sagt nichts voraus.
Die Station zeichnet zwei Linien. Die erste läuft ab Sitzungsbeginn. Die zweite setzt innerhalb der Session alle vwap2_minutes neu an, ab Werk alle 30 Minuten; 0 schaltet sie ab. Sie ist ein Anker-VWAP, kein gleitender. Einen wirklich rollenden VWAP über 1 bis 240 Minuten gibt es im Heatmap-Fenster.
Um beide Linien lässt sich ein Band von plus/minus einer Standardabweichung legen, ab Werk aus. Die Streuung ist volumengewichtet und über denselben Abschnitt gerechnet. Das Band sagt, wie weit der Preis vom Schwerpunkt entfernt handelt. Nicht, dass er zurückkommt.
Eine solche Zahl ist empfindlich für ihren Nenner. Im Heatmap-Fenster stand einmal jeder Print im Zähler, der Nenner zählte aber nur Volumen mit bekannter Handelsseite. Zehn Prozent seitenlose Prints hoben den Wert von 29.250 auf 32.613.
Die Grenze
Ein Niveau ist ein Ort, an dem etwas passieren kann. Mehr steht nicht darin. POC, VAH, VAL, die Vortagskanten und der VWAP markieren, wo viel oder wenig gehandelt wurde. Was dort geschieht, entscheidet der Orderfluss, nicht die Linie.
Das Profil beschreibt. Es prognostiziert nicht.
Zeit, Sitzungen und Nachrichten
Futures laufen fast rund um die Uhr. Gleich sind die Stunden deshalb nicht. Dasselbe Bild im Footprint bedeutet um 03:00 etwas anderes als um 15:35. Wer die Uhrzeit weglässt, vergleicht Ungleiches.
Globex und RTH
Der elektronische Handelstag der CME beginnt um 17:00 Uhr Chicagoer Zeit; vor dem nächsten Start
liegt eine Pause. In deutscher Zeit fällt der Beginn auf Mitternacht. Er heißt Globex oder ETH.
Die Station führt ihn als session_open mit der Voreinstellung 17:00 und schneidet den Tag von
einem 17:00 zum nächsten.
RTH ist das kürzere Fenster darin, die reguläre Handelszeit des zugrunde liegenden Marktes. Es steht je Instrument fest im Katalog.
| Instrument | RTH (Chicago) | deutsche Zeit |
|---|---|---|
| NQ, ES, YM, RTY, MNQ, MES, MYM, M2K | 08:30 bis 15:00 | 15:30 bis 22:00 |
| GC, MGC | 07:20 bis 12:30 | 14:20 bis 19:30 |
| SI, SIL | 07:25 bis 12:25 | 14:25 bis 19:25 |
| CL, MCL | 08:00 bis 13:30 | 15:00 bis 20:30 |
| 6E, M6E | 07:20 bis 14:00 | 14:20 bis 21:00 |
| FDAX, FDXM, FDXS, FESX | 02:00 bis 10:30 | 09:00 bis 17:30 |
| Krypto | keine | die Spalte ist Formsache |
Zwischen Chicago und Deutschland liegen sieben Stunden, in zwei kurzen Fenstern im Frühjahr und im Herbst sechs, weil die Umstellungstermine auseinanderlaufen. Die Kopfzeile zeigt deshalb beides, CT und lokale Zeit. Die lokale Uhr ist die des Rechners, nicht die des Feeds.
Die drei Abschnitte eines Tages
Aus europäischer Sicht zerfällt der Tag in die asiatischen Stunden ab Mitternacht, die europäische Eröffnung am Morgen und die US-Eröffnung um 15:30.
Messbar ändert sich dabei nicht der Preis, sondern Umsatz, Spanne und Buchtiefe. Wie stark, ist eine Messung, und sie fällt je Instrument und je Tag anders aus. Drei Fenster zeigen sie: Speed of Tape mit Vol/s und Trades/s, das Volume Profile der laufenden Sitzung und die Stats-Tabelle mit Vol(s) und Time(s) je Bar.
Woran die Deutung scheitert: Die Station sieht Prints und gemeldete Tiefe. Wer dahinter handelt, steht nicht in den Daten.
Range-Bars und Volumenbalken schließen nachts seltener. Eine Range-Bar über vierzig Ticks kann nachts Minuten brauchen und im Schnellmarkt Sekunden. Zehn solche Bars sind keine zehn gleich langen Zeitabschnitte.
Woran der Umschlag hängt
Am Sitzungsbeginn hängen Tages-Open, -High und -Low, die Vortagswerte O/H/L/C und das Session-Profil mit POC, VAH und VAL. Delta Dly, das kumulierte Delta, beginnt dort neu und ist damit ein Tageswert, kein laufender Gesamtsaldo. Die Initial Balance ist Hoch und Tief der ersten dreißig RTH-Minuten; bei Krypto gibt es sie nicht, weil es dort keine Eröffnung gibt.
Die Referenzzeit ist umstellbar, etwa auf 08:30 für den Kassa-Open. Dann ändern sich Tageslevel
und Profil, und die Chart-Beschriftung sagt es an. Der POC der Globex-Sitzung ist nicht der POC der
Kassa-Sitzung. Das ist kein Fehler, sondern eine andere Frage.
Nachrichten
Der Economic Calendar zieht den öffentlichen Wochenkalender von ForexFactory und filtert nach
Mindest-Impact, ab Werk medium. Vorwarnungen laufen 15, 5 und 1 Minute vorher und zum Zeitpunkt
selbst; die Töne sind auf einer frischen Station aus.
Zwei Grenzen stehen im Filter selbst. Eine Währungszuordnung gibt es nur für NQ, ES, GC, CL und 6E;
bei jedem anderen Instrument greift eine Voreinstellung, die ALL enthält. Und der Kalender kennt
nur angesetzte Termine. Eine Rede außer der Reihe steht in keinem Wochenplan.
Was an einem Termin geschieht, ist eine Messung und keine Regel. Ob das Buch ausdünnt und die Spanne breiter wird, steht im DOM und in der Spanne, und es fällt je Termin anders aus.
Ein Punkt gilt unabhängig davon. Eine Stop-Order ist beim Auslösen eine Market-Order und wird zum nächsten erreichbaren Preis ausgeführt. Wie weit der vom Stop entfernt liegt, entscheidet das Buch in diesem Moment, nicht die eingegebene Zahl. Was daraus folgt, sagt weder die Station noch dieser Text.
Woran die Deutung scheitert: Eine Absorption an einem dünnen Buch ist nicht dasselbe Ereignis wie eine an einem vollen. Das DOM zeigt die gemeldete Tiefe von jetzt und sagt nichts darüber, was eine Sekunde später noch dort steht.
Feiertage und halbe Tage
Hier ist die Station schwach: Sie führt keinen Feiertagskalender. Die RTH-Spalte ist fest und
steht an einem verkürzten Tag unverändert da, die Initial Balance rechnet wie immer. Der Kalender
kennt eine Stufe holiday, rangiert sie aber unter low; bei der Voreinstellung medium fällt sie
durch den Filter. Ein dünner Tag sieht in den Zahlen aus wie ein normaler mit wenig Umsatz, und
seine Niveaus werden am Folgetag über den Chart gezogen, als wären sie im gleichen Verkehr
entstanden.
Warum die Uhrzeit ein Merkmal ist
Der Range-Bar-Forecast rechnet die Zeit als eigene Größen mit: Tageszeit als Sinus und Kosinus über eine Periode von 23 Stunden, Wochentag, ein RTH-Schalter, Minuten seit dem RTH-Start und Minuten bis zum RTH-Ende.
Zwei weitere Größen sind vorgesehen, aber nicht überall nutzbar: Minuten bis zur nächsten Nachricht und ein Schalter für eine Nachricht innerhalb von 15 Minuten. Für die Vergangenheit gibt es keine Kalenderquelle, der Zwischenspeicher hält nur die laufende Woche. Beide stehen deshalb nur dem Modell offen, das auf selbst aufgezeichneten Daten rechnet.
Eine Regel sagt dasselbe von der anderen Seite. Fällt das Ergebnis einer fälligen Vorhersage in eine andere Sitzung als die, in der sie entstand, wird sie verworfen und gezählt, nicht geraten. Dasselbe gilt für eine Kerze, die es nie gab, etwa über ein Wochenende. Sonst stünde eine Note über einer Bewegung, die zwischen den beiden Bars nie stattgefunden hat.
Wonach eine Kerze schließt
Jede Kerze braucht eine Regel, wann sie zu Ende ist. Diese Regel steht nicht im Markt. Sie wird gewählt, und sie entscheidet, was in die Kerze fällt.
Vier Regeln sind gebräuchlich: eine Uhr, eine Zahl von Prints, eine Zahl von Kontrakten, eine Spanne in Ticks. Das Zeiteinheiten-Feld kennt drei davon.
| Eingabe | Schließt nach | Grenzen |
|---|---|---|
<n>s <n>m <n>h |
Zeit | 1–3600 s, 1–1440 min, 1–24 h |
R<n> |
Spanne in Ticks | 1–2000 |
V<n> |
Kontrakten | 10–200 000 |
Presets: 10s, 30s, 1m, 2m, 5m, 15m, 60m, R8, R12, R24, R40, V250, V500. Tickkerzen kennt die Station nicht. In WTS Analytics liegen alle vier Arten auf demselben Ereignisstrom.
Zeitkerzen
Die Uhr ist der einzige Taktgeber, der unabhängig vom Markt läuft. Zwei Kerzen sind immer gleich lang. Das ist zugleich der Nachteil.
Eine Minute in der Mittagsruhe kann ein Dutzend Kontrakte enthalten, eine Minute nach einer Zahl ein Vielfaches davon. Beide bekommen dieselbe Breite und dieselben Footprint-Zellen. Auf der dünnen Minute erfüllen drei Kontrakte gegen einen in der diagonal gegenüberliegenden Zelle schon die Imbalance-Schwelle von 300 Prozent; dagegen steht die Mindestdifferenz in Kontrakten, ab Werk zehn. Umgekehrt fasst die schnelle Minute mehrere Bewegungen zusammen; Gegenbewegung und Vorstoß löschen einander.
Woran die Deutung scheitert: der Kerze sieht man nicht an, wie viel Material in ihr steckt.
Tickkerzen
Eine Tickkerze schließt nach einer festen Zahl von Prints. Jede hält gleich viele Ereignisse: in ruhigen Stunden dauert sie lange, in schnellen ist sie sofort voll.
Was sie verzerrt: ein Print ist keine Menge. Ein Abschluss über 300 Kontrakte zählt so viel wie einer über einen. Und wie viele Prints entstehen, hängt daran, wie der Datenstrom zusammenfasst: dieselbe Marktorder kann als ein Print ankommen oder als fünf.
Volumenbalken
Eine Kerze schließt, sobald sie n Kontrakte hält. Der Print, der sie voll macht, bleibt ganz in ihr: sie kann mehr als n halten, nie weniger.
Was das gleich macht: jede Kerze trägt ungefähr dasselbe Material, die Zellen zweier Kerzen sind vergleichbar. Das braucht ein Footprint.
Was es verzerrt: Volumen verschwindet als ablesbare Größe. Starker Umsatz ist auf Zeitkerzen ein hoher Balken, auf Volumenbalken eine dichte Folge von Kerzen: Aktivität wandert aus der Höhe in die Zeitachse. Und n trägt nicht über Märkte hinweg: 250 Kontrakte NQ sind nicht 250 MNQ.
Range-Balken
Ein Range-Balken schließt, wenn Hoch minus Tief genau die eingestellte Tickzahl erreicht. Der ausbrechende Print eröffnet die nächste Kerze; die Station folgt darin der NinjaTrader-Semantik.
Ihre Rolle hier ist eine Frage der Messbarkeit. Auf einer Minutenkerze hat „steigt oder fällt“ drei Antworten: hoch, runter und ein Flachband dazwischen, das jede Auswertung verdeckt. Ein Range-Balken verlässt seine Spanne immer oben oder unten. „Die nächste Kerze“ ist damit eine Zwei-Wege-Frage, die sich benoten lässt. Der Range-Forecast läuft deshalb wahlweise auf einer Range-Serie, im Beispiel R40 (NQ) und R8 (ES).
Was Range-Balken verzerren: Zeit verschwindet von der Achse. Ein Balken kann eine Stunde brauchen oder eine Sekunde — der Prognose-Zeiger rechnet dort deshalb mit fünf Minuten statt mit drei Kerzen. Und jede Kerze hat dieselbe Spanne, jedes Maß der Bewegung je Kerze ist konstant.
Range- und Volumenbalken teilen eine Nebenwirkung: ihre Grenzen hängen davon ab, wo zu zählen begonnen wurde. Die Chart-Serien laufen ohne Anker; die Serie hinter dem Range-Forecast schneidet um 17:00 Uhr Chicagoer Zeit, damit zwei Läufe dieselben Kerzen ergeben.
Was gleich bleibt und was sich verschiebt
| Über eine Session | mit der Kerzenart |
|---|---|
| Volumensumme | identisch |
| Delta-Summe, also CVD am Schluss | identisch |
| Hoch und Tief | identisch |
| Delta je Kerze | verschieden |
| Footprint-Zellen, Bar-POC, Imbalances | verschieden |
| Preis-CVD-Divergenz | verschieden |
Alle Arten lesen denselben Print-Strom, und jeder Handel liegt in genau einer Kerze. Die Kerzenart ändert nur die Verteilung auf die Kerzen — und genau diese Verteilung liest jede Orderflow-Lesart. Zwei Trader mit demselben Markt und verschiedenen Kerzen sehen verschiedene Ungleichgewichte. Keiner hat unrecht. Sie messen anderes.
Die obere Hälfte gilt nur, solange dieselbe Quelle die Handelsrichtung bestimmt. Live kommt zu jedem Print die stehende Quote mit; in der Historie fehlt sie, und die Aggressor-Seite wird über die Tick-Rule rekonstruiert — gleich tief in jeder Kerzenart.
Was daraus folgt
Zu jeder Beobachtung gehört die Kerzenart. „Absorption am Hoch“ ist ohne R40 oder 5m keine Beobachtung, sondern eine Erinnerung. Auch Einstellungen wandern nicht mit: eine Imbalance-Schwelle von 5m trifft auf V250 anderen Inhalt. Selbst wie oft ein Werkzeug anschlägt, hängt daran: die M-Effort-Regel setzt laut Dokumentation der Software auf NQ R40 im Median sechs Boxen je 150 Bars.
Eine Grenze gilt für jede Wahl: reicht die Tick-Historie nicht, füllen 1-Minuten-Bars den Rest. Solche Bars tragen keinen Orderflow, also weder Footprint noch Delta, und sind als „nur OHLCV“ markiert.
Risiko, Positionsgröße und was ein Ergebnis wirklich ist
R als Maß
Ein R ist der Abstand vom Einstieg zum Stop. Endet ein Trade am Stop, kostet er 1 R. Läuft er das Doppelte des Stopabstands, bringt er 2 R.
In Geld gerechnet sagen zwei Ergebnisse nichts über das Risiko dahinter. 300 $ mit engem Stop und 300 $ mit weitem Stop sind dieselbe Zahl und zwei verschiedene Dinge. In R fallen Tickwert und Menge heraus.
Woran R scheitert: Es sagt nichts über Kosten und nichts darüber, ob der Stop sinnvoll lag. Derselbe Kursweg ergibt mit engerem Stop mehr R. Und 1 R ist der geplante Verlust, nicht der sichere: eine Lücke über den Stop hinweg kostet mehr.
Positionsgröße
Kontrakte = Risiko je Trade / (Stopabstand in Ticks × Tickwert)
Tickwerte laut Wiki der Station: NQ 0,25 Punkte = 5 $, ES 0,25 Punkte = 12,50 $. Angenommen 300 $ Risiko je Trade:
| Markt | Stop | Kontrakte |
|---|---|---|
| NQ | 20 Ticks à 5 $ | 3 |
| ES | 8 Ticks à 12,50 $ | 3 |
Beide Male stehen 300 $ im Risiko: zwanzig Ticks und acht Ticks sind hier dasselbe. Steht dagegen die Menge zuerst fest, entscheidet sie, wo die Idee für falsch erklärt wird.
Woran die Rechnung scheitert: Ein Kontrakt ist nicht teilbar, Runden verschiebt das Risiko. Und die Zahl ist eine Absicht: ausgeführt wird zum nächsten handelbaren Preis, nicht zum Stoppreis.
Stop und Ziel gehören zur Idee
Der Stop ist der Preis, an dem die Idee widerlegt ist. Er kommt aus dem Chart, nicht aus dem Kontostand. Passt er nicht zum Konto, ist die Größe falsch.
Die Station trägt beides als Einstiegsklammer in Ticks ein: slTicks, tpTicks, trailTicks, beTriggerTicks, beOffsetTicks, jede 0 schaltet ihren Teil ab. Trail und Break-even nehmen den strengeren Wert, gelockert wird ein Stop nie. Zwischen Einstand und Stop beziehungsweise Ziel liegt im Chart das blasse Risiko-/Chance-Band.
Woran das scheitert: Diese Klammer rechnet der Papier-Motor im Server. Ein Stop im Server ist keine Order an der Börse.
MAE und MFE
Der schlechteste Punkt während der Haltedauer heißt MAE, der beste MFE. Das Trading Journal nennt sie max drawdown und max profit, in Punkten, Ticks und Geld mit Zeitpunkt.
| Kennzahl | beschreibt | beschreibt nicht |
|---|---|---|
max drawdown |
Gegenbewegung dieses Trades | die des nächsten |
max profit |
wie weit dieser Trade lief | ein erreichbares Ziel |
Die Falle liegt in der MFE. Sie liest sich wie ein besseres Ziel und ist keins: sie steht erst fest, wenn der Trade vorbei ist. Ein Ziel auf Höhe bisheriger MFE-Werte wird in genau den Trades nicht mehr erreicht, die vorher knapp davor drehten. Und ein berührter Preis ist keine Ausführung.
Die MAE hat dieselbe Falle in der anderen Richtung. Dass die Gewinner nie weiter als acht Ticks im Minus lagen, heißt nicht, dass ein Stop bei acht Ticks sie alle übrig gelassen hätte.
Woran die Zahlen scheitern: Es gibt sie nur bei eingeschaltetem Journal-Modus, und ohne Tickpuffer bis zum Einstieg meldet die Station nichts statt eines Bruchstücks.
Erwartungswert
E = p × mittlerer Gewinn in R − (1 − p) × mittlerer Verlust in R
Angenommen p = 40 %, Gewinn 1,8 R, Verlust 1,0 R: 0,12 R je Trade. Die Trefferquote allein sagt nichts. 70 % bei 0,3 R Gewinn und 1 R Verlust ergibt −0,09 R.
Woran die Formel scheitert: Sie unterstellt, dass ein Verlierer im Mittel genau 1 R kostet. Und als Mittel über viele Trades sagt sie nichts über deren Reihenfolge und den tiefsten Rücksetzer.
Kosten
Eine Rechnung ohne Kosten ist keine. NQ, 20 Ticks Stop, 1 R = 100 $ je Kontrakt, angenommen 2,50 $ Gebühr je Kontrakt und Seite sowie je ein Tick Spread und Slippage: dreimal 0,05 R, zusammen 0,15 R. Ist der Erwartungswert oben brutto gerechnet, bleibt netto eine negative Zahl.
In R gemessen wiegen dieselben Kosten bei engem Stop mehr: bei 10 Ticks Stop sind es 0,30 R, bei 40 Ticks 0,075 R. Dass der weite Stop besser sei, folgt nicht daraus.
Das Dashboard rechnet netto, pnlNet = pnl − commission. Spread und Slippage stehen in keiner Zeile, weil sie im Ausführungspreis stecken. Und keine Auswertung kennt die Aufträge, die nie zustande kamen.
Streuung
Zwanzig Trades beweisen nichts. Bei p = 40 % sind acht Gewinner zu erwarten, die Standardabweichung ist √(20 × 0,4 × 0,6) ≈ 2,2. Mit 1,8 R je Gewinner und −1 R je Verlierer ergeben sechs Gewinner −3,2 R, acht +2,4 R, zehn +8 R — alle drei aus derselben Verteilung.
Woran auch das scheitert: Die Rechnung unterstellt gleich große Ergebnisse und unabhängige Trades. Eine lange Serie verkleinert die Streuung und beweist trotzdem nichts; ob die Bedingungen dieselben blieben, sagt sie nicht. Das ist die Frage, die WTS Analytics mit der Zahl geprüfter Hypothesen beantwortet.
Dieses Kapitel erklärt Kennzahlen und ihre Grenzen. Es ist keine Anlageberatung. Alle Beispielzahlen sind gesetzt, nicht gemessen. Handel mit Futures birgt das Risiko des Totalverlusts.
Wo das alles in der Trading Station steht
Die vorigen Kapitel haben Begriffe beschrieben. Dieses sagt, in welchem Fenster sie stehen. Eine Bedienungsanleitung ist es nicht.
| Begriff | Fenster | Form |
|---|---|---|
| Ausführung je Preislevel | Chart | Footprint-Zelle |
| Buch über die Zeit | Heatmap | Spalte je Zeitschritt |
| Aggressor je Print | Time & Sales | Seite je Zeile |
| Kumuliertes Delta | CVD-Pane | Linie oder Kerzen |
Chart
Der Footprint zeigt je Bar die ausgeführten Kontrakte je Preislevel. Bar-POC gelb gerahmt, Value Area blau hinterlegt, diagonale Imbalances als Marke an der Zellkante: links Bid, rechts Ask.
Zwei Stellen, an denen die Lesart scheitert: Marken erscheinen nur in den Print-Typen Ask/Bid Split und Volume combined, und Bars aus aufgefüllten 1-Minuten-Bars tragen keinen Orderflow.
Daneben das Volume Profile mit POC, VAH und VAL. Composite reicht nur so weit zurück wie die Tick-Historie, ab Werk drei Tage. M-Effort setzt Rechtecke an Swing-Punkte; laut Doku ist ihr prädiktiver Wert mit drei Tagen Daten nicht belegt.
Heatmap
Die Spalten tragen Buch, Bid/Ask, CVD und Big Trades. Daraus entstehen ein rollender VWAP und der Winkler AI Tracker, ein offener Nachbau des Market-Pulse-Algorithmus von Bookmap: die Abweichung des letzten Preises vom preisgewichteten Durchschnitt, gemessen am größten Ausschlag desselben Fensters. Daran hängt die Grenze. Eine 100 an einem ruhigen Tag ist nicht dieselbe Bewegung wie eine 100 an einem lauten.
Panelspalte rechts
Speed of Tape misst den Volumenfluss der letzten Sekunden, ab Werk zehn. Der DOM ist eine Leiter mit Bid- und Ask-Größen, dahinter das Session-Profil je Preis. Time & Sales zeigt jeden Print mit Aggressor-Seite. Big Trades markiert große Ausführungen und listet sie.
Zwei Grenzen. Live ist der Aggressor exakt, weil zu jedem Print die stehende Quote mitkommt; in der Historie wird er über die Tick-Rule rekonstruiert. Und der DOM zeigt das gemeldete Buch, nicht was dahinter liegt.
Chart Trader
Hier stehen die Aufträge. Die Einstiegsklammer wird in Ticks eingetragen: Stop, Ziel, Trail, Break-even mit Auslöser und Abstand, jeweils 0 = aus. Im Papierhandel rechnet der Motor im Server sie selbst, ohne Broker. Stop und Ziel behalten ihre Rollenfarbe: ein Verkaufs-Stop unter einer Long-Position ist rot, weil er Verlust begrenzt, nicht weil er verkauft.
Delta und CVD
Unter dem Chart. Die Delta-Pane zeigt das Delta je Bar mit Schatten für Intrabar-Hoch und -Tief, auf Wunsch in bis zu vier Ordergrößen-Bändern. Die Bänder kommen aus der beobachteten Ordergröße; wer hinter einer Order steht, steht nicht in den Daten. Die CVD-Pane trägt das kumulierte Delta als Linie oder Kerzen. Beide Reihen brechen am Session-Wechsel.
Zwei Melder sitzen darauf, beide ab Werk aus. Die CVD-Divergenz vergleicht Pivots in Preis und CVD und verlangt ein neues Extrem. Der Doppel-Tap greift den Fall daneben: zwei Anläufe auf denselben Preis, ab Werk zwei Ticks Toleranz, dieselbe Sitzung, ohne Bestätigung im CVD. Steht der CVD praktisch still, nennt die Station es Aufnahme.
Das sind Beobachtungen. Sie können heißen, dass der zweite Anlauf keine Aggression mehr fand, oder dass zwei Pivots zufällig nah beieinander lagen.
Dynamic Zones
Ein Werkzeug unter Tools, kein Automatismus. Aufgezogen entsteht eine Profil-Zone mit Delta links, Volumen rechts und Value Area; sie hängt an Zeit und Preis, nicht an Pixeln. Die Grenze liegt in der Hand, die sie aufzieht: ein anderer Bereich ergibt einen anderen POC.
Forecast
Eine statistische Vorhersage der nächsten Kerze, ab Werk der Minutenkerze. Neun benannte Experten stimmen ab, darunter Momentum, Bar-Delta, CVD-Steigung und Buch-Imbalance; letztere zählt nur mit echtem Level 2. Nach dem Kerzenschluss wird benotet und jedes Gewicht nachgezogen. Das Panel zeigt Gewichte, Benotungen und die Trefferquote; unter zehn benoteten Vorhersagen keine Quote.
Die Doku nennt für NQ R40 auf einen Bar 52 bis 56 Prozent und für ES R8 eine Break-even-Schwelle nach Kosten von rund 80 Prozent. Als Richtungsauskunft lesbar, als Handelssignal nicht. Nicht zu verwechseln mit der 3-Kerzen-Prognose: die kommt aus einem Sprachmodell und läuft nur auf Abruf.
Trading Journal
Ist der Journal-Modus an, legt die Station zu jedem Trade eine Akte an: ein Bild beim Einstieg, eines beim Ausstieg, dazu Sicht und Marktkontext. Der Server rechnet den Roundtrip aus den Fills, dazu höchsten Gewinn, tiefsten Rücksetzer, das beste erreichbare Netto-Ergebnis und den Wirkungsgrad. Fehlen die Ticks des Handelsfensters, bleibt die Rechnung leer, statt eine Zahl zu behaupten. Der Wirkungsgrad misst gegen einen Höchststand, den erst der Rückblick kennt.
Dashboard
Öffnet sich nach der Anmeldung: Verbindungen, Konten, gehandelte Trades. Der Durchsatz je Brücke ist gemessen, Prints je Sekunde über die letzte Minute. Eine abgeschaltete Brücke färbt nichts rot; sie ist eine Entscheidung, kein Fehler. Ein Trade ist die Episode von flach bis flach; ein Teilverkauf liegt innerhalb davon. Gerechnet wird netto. Ohne Verlust steht beim Profitfaktor ein Strich, weil er dann nicht bestimmbar ist.
Was bleibt
Die Station zeigt und misst. Sie entscheidet nicht.
Was Order Flow nicht kann
Die vorigen Kapitel zeigen, was die Werkzeuge anzeigen. Dieses zeigt, wo sie aufhören.
Die Zahl ist weicher, als sie aussieht
Delta ist die Differenz aus Ask- und Bid-Volumen einer Bar. Beide Summen hängen an einer einzigen Entscheidung je Handel: Wer war der Aggressor? Live kommt zu jedem Print die stehende Quote mit. Damit ist die Seite bestimmt.
In aufgezeichneten Daten fehlt diese Quote. Die Seite wird rekonstruiert: zu jedem Handel der zuletzt gemeldete Quote, dann Preis gegen Bid und Ask. Drei Fälle bleiben unklar. Ein Handel genau in der Mitte. Ein Quote, der zu alt ist. Der erste Handel des Tages. WTS Analytics zählt sie nicht als ausgeglichen, sondern hält sie aus dem Delta heraus und schreibt ihre Zahl über jede Auswertung. Ein Delta, das zu einem Drittel auf geratenen Richtungen beruht, ist keine Messung.
Im Chart der Trading Station steht diese Zahl nicht. Die historische Seite wird dort über die Tick-Rule rekonstruiert: eine gute, aber nicht perfekte Nachbildung. Wer weit zurückscrollt, sieht ihr das nicht an.
Dazu die zweite Lücke. Die Tick-Historie umfasst ab Werk drei Tage. Reicht sie nicht, füllen 1-Minuten-Bars den Rest. Diese Bars tragen keinen Orderflow, nur Kurs und Volumen, und sind gedämpft gezeichnet. Wer das überliest, hält eine Leerstelle für einen ruhigen Markt.
Die Schwelle macht das Muster
Eine diagonale Imbalance ist keine Eigenschaft des Marktes. Sie ist ein Vergleich der Menge einer Zelle mit der Menge der diagonal gegenüberliegenden. Die Voreinstellung markiert ab dem Verhältnis 300 Prozent, dazu eine Mindestdifferenz von zehn Kontrakten. Beide Zahlen sind Einstellungen. Wer sie senkt, bekommt auf denselben Daten mehr Marken.
Bei Big Trades greift dieselbe Mechanik. Im Modus auto kommt die Schwelle aus einem hohen Perzentil der beobachteten Ordergrößen; auf NQ landete es bei vier Kontrakten. Groß heißt hier groß im Vergleich zu dem, was gerade lief.
Im fertigen Chart ist jedes Muster deutlich
Der Rückschaufehler ist schwer zu bemerken, weil er sich wie Einsicht anfühlt. Eine geschlossene Bar zeigt ein Ergebnis. Live steht dieselbe Bar noch offen.
| Beobachtung | Was sie bedeuten kann | Woran die Deutung scheitert |
|---|---|---|
| Großes Verkaufsdelta, Preis fällt nicht | Am Gebot wird absorbiert | Die Bar ist offen, das Delta kann sich drehen. In der Historie ist die Seite rekonstruiert. |
| Diagonale Imbalance an einer Zelle | Eine Seite wurde aggressiver ausgeführt | Die Zelle steht erst nach Bar-Schluss fest, und die Marke hängt an einer eingestellten Schwelle. |
| Big Trade am Tageshoch | Eine große Adresse steigt aus | Die Ordergröße sagt nichts darüber, wer dahinter steht. Ein Block kann ein Teilstück sein. |
| CVD steigt, der Preis nicht | Divergenz | Delta und CVD brechen am Session-Wechsel. Eine Divergenz ist ein Zustand, kein Zeitpunkt. |
Kein Eintrag der rechten Spalte lässt sich durch bessere Einstellungen entfernen.
Wer lange genug sucht, findet etwas
Prüft ein Programm 500 Hypothesen gegen einen Schwellwert von fünf Prozent, sind fünfundzwanzig auffällige Treffer zu erwarten, obwohl kein einziger echt ist. Das ist Arithmetik.
Ein Beispiel aus der eigenen Entwicklung. Der Strategie-Motor Effort Model verlangte für seine Absorptionskerze Volumen über dem doppelten Schnitt und zugleich eine Spanne unter 0,6 des Schnitts. Beide Bedingungen arbeiten gegeneinander: viel Handel heißt viel Bewegung. Einzeln trafen sie 2,9 und 29 Prozent der Kerzen, zusammen 0,128 Prozent; über 20 Sitzungen mit 27.400 Minutenkerzen blieb ein Signal übrig. Danach wurden die Schwellen gelockert, bis der Motor wieder feuerte. Gewählt wurde nach der Zahl der Signale, nicht nach einem Ergebnis.
Dagegen hilft keine bessere Suche, sondern Buchführung: die Zahl der geprüften Hypothesen nennen, gegen die Grundrate messen statt gegen null, den zeitlich letzten Abschnitt der Daten unangetastet lassen, die Entscheidungsregel vor dem ersten Lauf aufschreiben. Das macht eine Regel nicht richtig. Es macht sie prüfbar.
Beobachtung ist keine Handelsregel
Prüfbar ist eine Regel erst, wenn ein anderer Leser sie auf dieselben Daten anwendet und dasselbe Ergebnis erhält. Dafür fehlen einer Beobachtung meist vier Angaben: wann sie gilt, woran man ihren Beginn erkennt, woran ihr Ende, und was zählt, wenn beides auf denselben Print fällt.
Fehlt eine davon, ist es kein schwaches Signal. Es ist gar keines, weil sich nichts nachrechnen lässt.
Die Kosten stehen nicht im Chart
Auswertungen dieser Art rechnen ohne Spread, Gebühren und Slippage. Ein Überschuss von 0,3 Ticks ist bei einem Spread von einem Tick ein Verlust. Deshalb stehen die Zahlen in Ticks.
Wie hart diese Grenze ist, zeigt eine Kostenrechnung aus der Forecast-Entwicklung. Auf ES R8 liegt die Break-even-Schwelle eines Ein-Bar-Trades bei rund 80 Prozent: 2,4 Ticks Kosten auf eine Spanne von acht Ticks. Eine Richtungsangabe kann kalibriert und als Handelssignal trotzdem wertlos sein. Für NQ R40 auf einen Bar gilt umgekehrt: alles über rund 60 Prozent bei voller Abdeckung ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Leck, also Information aus der Zukunft. Die dort genannte Trefferquote von 52 bis 56 Prozent ist eine Erwartung, kein Messergebnis.
Kein Garant
Dieses Kapitel liefert keine Regel und kein Setup. Zu jeder Idee gehören zwei Angaben, die kein Werkzeug liefert: eine Invalidierung, der Punkt, an dem die Annahme widerlegt ist, und ein Risikobudget, der Betrag, den ihr Scheitern kosten darf. Ohne beides ist eine Beobachtung keine Grundlage, sondern eine Vermutung mit Hebel.
Der Handel mit Futures kann zum Totalverlust führen.
Glossar
Die Begriffe aus den vorangegangenen Kapiteln in alphabetischer Folge, jeweils so erklärt, wie die Winkler Trading Station sie benutzt.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Absorption | Eines der Etiketten, die die Station einem Big Trade gibt: Der Preis hat sich um höchstens zwei Ticks bewegt, und das Delta der laufenden Minute zeigt gegen die Seite des Aggressors. Ob dort jemand verteidigt oder der Handel nur kurz stillsteht, entscheidet das Etikett nicht. |
| Aggressor | Die Seite, die eine im Buch liegende Order genommen hat. Live ist sie exakt bestimmt, weil zu jedem Print die stehende Quote mitkommt. In der Historie fehlt die Quote, dort wird die Seite über die Tick-Rule rekonstruiert. |
| Ask | Der beste Preis, zu dem jemand verkaufen will. Wer zum Ask kauft, ist der Aggressor. |
| Bid | Der beste Preis, zu dem jemand kaufen will. Wer zum Bid verkauft, ist der Aggressor. |
| Big Trade | Eine Ausführung über der eingestellten Schwelle, im Chart als Marker und in der Panelspalte als Zeile. Die Schwelle ist eine feste Kontraktzahl oder ein Perzentil der beobachteten Ordergrößen (99, 99,5 oder 99,9), mit einem Boden von ab Werk 30 Kontrakten in beiden Fällen. Groß heißt hier groß für dieses Instrument, nicht wichtig. |
| CVD | Cumulative Volume Delta, das über die Bars aufsummierte Delta, als Linie in einer eigenen Pane. Es beginnt am Session-Wechsel neu und ist damit ein Tageswert, kein laufender Gesamtsaldo. |
| Delta | Die Differenz aus Ask- und Bid-Volumen einer Bar: wie viel mehr per Marktorder gekauft als verkauft wurde. Es misst Aggressivität, nicht Richtung — zu jedem Kauf gehört ein Verkauf. Bars ohne Prints tragen kein Delta. |
| DOM | Depth of Market, die Leiter der Bid- und Ask-Größen je Preis, ab Werk fünfzehn Level je Seite. Sie ist eine Momentaufnahme des vom Feed gemeldeten Buchs und zeigt nicht, was hinter der gemeldeten Tiefe liegt. |
| Effort | Volumen je gehandeltem Tick: wie viel Handel eine Preisbewegung gekostet hat. Die Zahl ist ein Verhältnis und wird erst im Vergleich mit den umliegenden Bars lesbar. |
| Erschöpfung | Der Begriff für einen Vorstoß, dem die Aggressoren ausgehen. Die Station zeichnet dafür keine Box mehr: Eine Erschöpfung steht erst hinterher fest, und die Box war damit eine Deutung und keine Beobachtung. |
| ETH | Extended Trading Hours, die Handelszeit außerhalb der Kernzeit (siehe RTH). Im Krypto-Katalog der Station steht dasselbe Kürzel für das Ether-Paar. |
| Footprint | Die Darstellung, wie viele Kontrakte je Preislevel innerhalb einer Bar ausgeführt wurden — wahlweise als Ask/Bid-Split, Volumen, Delta oder Delta + Volumen. Bars ohne Print-Daten tragen keinen Footprint. |
| Globex | Das elektronische Handelssystem der CME. Der Handelstag beginnt in der Station ab Werk mit der Globex-Session um 17:00 Uhr Chicagoer Zeit. Diese Referenzzeit ist umstellbar und verschiebt dann alle Tages- und Vortagslevel. |
| High Volume Node (HVN) | Eine Profilzeile, die über plus/minus zwei Zeilen ein lokales Maximum bildet und mindestens 55 Prozent der größten Zeile erreicht. Das ist eine Aussage über eine Schwelle, nicht über eine Richtung. |
| Iceberg | Eine Folge kleiner Ausführungen derselben Seite auf einer Preisstufe, plus/minus einem Tick, innerhalb eines kurzen Fensters von ab Werk 500 Millisekunden: viel Volumen in kleinen Stücken. Die Station sieht die verdeckte Order nicht, sondern nur deren Spur. |
| Imbalance | Ein Ungleichgewicht zwischen zwei diagonal benachbarten Footprint-Zellen: die Ask-Menge einer Zeile gegen die Bid-Menge der Zeile darunter, die Bid-Menge einer Zeile gegen die Ask-Menge der Zeile darüber. Ab Werk zählt sie ab dem Verhältnis 3,0 und einer Mindestdifferenz von zehn Kontrakten. Andere Schwellen ergeben andere Marken; die Zahl ist eine Einstellung und kein Maß des Marktes. |
| Initiative | Das Etikett für einen Big Trade, bei dem der Preis mit dem Aggressor gelaufen ist, ab Werk drei Ticks, und das Delta der laufenden Minute in dieselbe Richtung zeigt. Es beschreibt, was gerade geschehen ist, und sagt nichts über die nächste Bar. |
| Kontrakt | Die handelbare Einheit eines Futures, mit festem Tick und festem Punktwert: NQ 0,25 Punkte je Tick, 5 US-Dollar je Tick und 20 je Punkt; ES 0,25 Punkte je Tick, 12,50 US-Dollar je Tick und 50 je Punkt. Jeder Kontrakt gehört zu einem Kontraktmonat und läuft aus. |
| Limit-Order | Ein Auftrag mit Preisgrenze. Er wird nicht schlechter als zum angegebenen Preis ausgeführt und unter Umständen gar nicht. Er stellt Liquidität ins Buch, statt sie zu nehmen. |
| Liquidität | Die im Buch ruhenden Größen, die eine Marktorder nehmen kann. Sichtbare Liquidität ist keine zugesagte: Sie kann verschwinden, bevor jemand sie nimmt. |
| Low Volume Node (LVN) | Eine Profilzeile mit einem lokalen Minimum, die höchstens acht Prozent der größten Zeile erreicht. Im Winkler-Preset trägt sie dieselbe Farbe wie eine steigende Bar, obwohl sie nichts über die Richtung sagt. |
| MAE | Maximum Adverse Excursion, der schlechteste Punkt einer Position gegen den Einstieg. Das Journal der Station führt dieselbe Größe unter max drawdown und rechnet sie aus den Ticks innerhalb des Handelsfensters. |
| Margin | Die Sicherheitsleistung, die der Broker je Kontrakt verlangt: Initial Margin beim Einstieg, Maintenance Margin dauerhaft. Sie ist eine Hinterlegung und kein Kaufpreis — und sie begrenzt den möglichen Verlust nicht. |
| Market-Order | Ein Auftrag ohne Preisgrenze. Er wird sofort ausgeführt, zu dem Preis, der gerade im Buch steht. Er nimmt Liquidität und macht den Auftraggeber zum Aggressor. |
| MFE | Maximum Favourable Excursion, der beste Punkt einer Position zugunsten des Einstiegs. Im Journal heißt sie max profit; daneben steht als giveback, wie viel davon bis zum Ausstieg wieder abgegeben wurde. |
| OHLC-Bar | Eine Bar, die nur Eröffnung, Hoch, Tief, Schluss und Volumen trägt, weil für ihren Zeitraum keine Ticks vorliegen. Sie ist im Chart gedämpft gezeichnet und hat weder Footprint noch Delta noch Imbalances. |
| Papierhandel | Der Weg, auf dem die Station gegen ein Konto im eigenen Server rechnet, ohne Broker. Marktorders füllt der Motor gegen die stehende Quote, die Einstiegsklammer entsteht im Server. Warteschlange im Buch, Teilausführung und ein Rutsch über mehrere Buchebenen kommen darin nicht vor. |
| POC | Point of Control, die Preiszeile mit dem höchsten Volumen eines Profils. Sie sagt, wo am meisten gehandelt wurde, und nichts darüber, was dort als Nächstes geschieht. |
| Punkt | Die Preiseinheit eines Kontrakts, aus mehreren Ticks zusammengesetzt: bei NQ und ES vier Ticks je Punkt. Der Geldwert eines Punktes steht je Instrument fest. |
| R | Das Vielfache des eingegangenen Risikos: 2R ist das Doppelte des Betrags, der beim Stop verloren gewesen wäre. Ein R-Wert entsteht erst, wenn das Risiko je Position vorher festgelegt wurde; die Zahlen der Station stehen in Ticks, Punkten und Geld. |
| Range-Balken | Eine Bar, die nach Spanne schließt statt nach Zeit: Hoch minus Tief erreicht genau die eingestellte Tickzahl, und der ausbrechende Print eröffnet die nächste Bar (Eingabe R40 = 40 Ticks). Eine solche Bar hat keine feste Dauer — Aussagen über Zeit tragen an ihr nicht. |
| Response | Der Gegenbegriff zur Initiative aus der Sprache des Marktprofils: Handel, der gegen die laufende Bewegung antritt. Die Station führt kein Etikett dieses Namens; was ihr Tape-Fluss in diesem Moment messen kann, ist Absorption. |
| Rollen | Der Wechsel vom auslaufenden auf den nächsten Kontraktmonat. Die Station misst ihn am letzten Handelstag und nicht an einer Monatsmarke: bei den Quartalskontrakten wie NQ und ES acht Tage vor dem dritten Freitag, bei Gold und Silber 25 Tage, bei Rohöl sechs. Über den Rollzeitpunkt hinweg gehören zwei Preisreihen zu zwei verschiedenen Verträgen. |
| RTH | Regular Trading Hours, die Kernhandelszeit eines Instruments, bei NQ und ES 08:30 bis 15:00 Uhr Chicagoer Zeit. Sie ist enger als der elektronische Handelstag und je Instrument hinterlegt. |
| Session | Der elektronische Handelstag ab der eingestellten Referenzzeit. Delta-Reihe und CVD brechen an seinem Wechsel; Tages- und Vortagslevel werden ab dieser Uhrzeit aus dem Print-Strom gerechnet. |
| Single Print | Ein Preislevel, auf dem innerhalb einer Bar nur einmal gehandelt wurde. Es markiert eine schnell durchlaufene Stelle und nicht eine, an der etwas geschehen muss. |
| Slippage | Die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich erhaltenen Preis. Der Papier-Motor der Station bildet sie nicht ab, und die Auswertungen in WTS Analytics ziehen sie nicht ab. Sie gehört zu den Kosten, die über einen kleinen rechnerischen Vorteil entscheiden. |
| Spread | Der Abstand zwischen Bid und Ask. Er fällt bei jedem Ein- und Ausstieg an: Ein gemessener Überschuss von 0,3 Ticks ist bei einem Spread von einem Tick ein Verlust. |
| Stop Run | Das Etikett für einen Big Trade am oder nahe dem Session-Extrem, ab Werk innerhalb von fünf Ticks, dessen Menge mindestens das Doppelte des Schnitts der letzten zwanzig Ausführungen beträgt. Ob dort Stops lagen, steht nicht in den Daten — das Etikett beschreibt Ort und Größe, nicht Absicht. |
| Sweep | Eine Serie von Ausführungen derselben Seite über aufeinanderfolgende Preisstufen in wenigen Millisekunden, ab Werk innerhalb von acht. Gemessen wird das Muster, nicht der Urheber. |
| Tick | Die kleinste Preisänderung eines Kontrakts, bei NQ und ES 0,25 Punkte. Umgangssprachlich heißt auch ein einzelner Print Tick; die Tick-Historie der Station meint diese Prints. |
| Tick-Rule | Das Verfahren nach Lee und Ready, mit dem die Aggressor-Seite rekonstruiert wird, wenn die Quote fehlt: Uptick zählt als Ask, Downtick als Bid, unverändert wie zuvor. Es betrifft nur die Historie und ist eine gute, aber keine perfekte Nachbildung. |
| VAH | Value Area High, die obere Grenze der Value Area. |
| VAL | Value Area Low, die untere Grenze der Value Area. |
| Value Area | Der Preisbereich, in dem ein eingestellter Anteil des Volumens gehandelt wurde, ab Werk 70 Prozent. Sie wächst vom POC nach außen und nimmt jeweils die größere der beiden Nachbarzeilen auf, bis der Anteil erreicht ist. Der Anteil ist eine Einstellung: Ein anderer Prozentsatz verschiebt VAH und VAL, ohne dass sich am Markt etwas geändert hätte. |
| Volumenprofil | Die Verteilung des gehandelten Volumens über die Preislevel eines gewählten Zeitraums, mit POC, VAH und VAL. Es braucht Orderflow; Bars ohne Prints liefern keine Zeilen. |
| VWAP | Volume Weighted Average Price, der volumengewichtete Durchschnittspreis ab einem Anker, wahlweise mit einem Band von plus/minus einer Standardabweichung. Der Wert hängt am Anker: Eine andere Startzeit ergibt eine andere Linie. |
Vier Begriffe, die zweimal etwas anderes meinen
- ETH ist im Handelskalender die Zeit außerhalb der Kernzeit und im Krypto-Katalog das Ether-Paar. Welches gemeint ist, entscheidet das Fenster, in dem es steht.
- Tick ist die kleinste Preisänderung und zugleich der Name für einen einzelnen Print. Eine Tick-Historie von drei Tagen zählt Prints, keine Preisschritte.
- Absorption gibt es in der Station als Etikett am Big Trade, ab Werk nicht gezeichnet. Die Absorptions-Box der Strukturerkennung wurde entfernt, aus demselben Grund wie die Erschöpfungs-Box: Sie war eine Deutung, keine Beobachtung.
- MAE und MFE heißen im Journal max drawdown und max profit. Gerechnet werden sie aus den Ticks während des Trades, nicht aus Bar-Schlusskursen.
Ein Begriff, den man benennen kann, ist noch keine Handelsentscheidung. Alle Etiketten dieser Liste beschreiben, was in den Daten stand — nicht, was als Nächstes passiert. Handel mit Futures birgt das Risiko des Totalverlusts.